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Stand: 05.11.2015

Pressemitteilung

Einfach machen!

"Ich wähle Menschlichkeit" lautet der Slogan der deutschen Caritas zur Werbekampagne anlässlich der Bundestagswahl 2017. "Menschlichkeit, sich die Bedeutung hinter dem Begriff wieder bewusst zu machen, das ist besonders vor der Wahl wichtig", fordert auch Christian Stockmann, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes in Arnsberg und Sundern auf. "Denn mit jeder abgegebenen Stimme wird die Wahl und damit auch die sozialpolitische Ausrichtung unserer Gesellschaft mitbestimmt!"

CS_Wahlkampagne"Einfach mal machen und nicht nur Debatten führen" ist Christian Stockmanns Forderung an die politische Tischrunde in der TRILUX Akademie

"Nicht um den heißen Brei reden, nicht nur politische Debatten führen, sondern mit den Menschen die es betrifft, ins Gespräch kommen und Lösungen finden" ist dabei Stockmanns Plan. Dafür hat der Caritasverband am heutigen Mittwoch, den 30.08.2017 mit und in den Räumlichkeiten der Firma Trilux zum politischen Tischgespräch eingeladen. "Wir arbeiten seit vielen Jahren mit der Caritas zusammen, um Menschen auf unterschiedlichste Weise in den Arbeitsmarkt zu integrieren, deshalb haben wir uns sehr gefreut, diese wichtige Diskussionsrunde in unserem Hause durchführen zu können", findet auch Klaus Röwekamp, Geschäftsführer der Trilux Licht GmbH.

Interessant sind dabei die Teilnehmer, denn: es sind nicht nur Vertreter aus Politik und Wirtschaft oder Bildung vertreten, sondern Menschen mit ganz normalen Alltagsproblemen. Sigrid Alberti hat selbst ein Handicap und diskutiert mit. In ihrem Standpunkt zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik und Integration von Menschen mit Handicap ist für sie klar: "Mein Wunsch ist CHANCEN GEBEN!!! Es wird auf beiden Seiten zu viel nachgedacht. Hätte, wäre, wenn!" Arbeitgeber, meint sie, haben zu viel Ängste Menschen mit Handicap einzustellen, weil sie Leistungseinbußen oder erschwerte Kündigungsbedingungen fürchten. Bei den Menschen mit Handicap sei die Sorge groß, ob man akzeptiert und gewertschätzt werde und zeigen könne, was in einem steckt. "Wenn man nichts wagt und probiert kann man nie wissen was möglich ist", so Alberti. "Arbeiten gehen dürfen, dass bedeutet Teil der Gesellschaft zu sein", weiß auch Peter Bösel, Vorsitzender des Werkstattrates, der Beschäftigtenvertretung von Menschen mit Handicap in den Caritas-Werkstätten. "Für die betriebsintegrierten Beschäftigungsplätze müssten langfristig mehr Einstiegsmöglichkeiten direkt in die Unternehmen angeboten werden, wenn die Arbeitnehmer mit Handicap gezeigt haben, was sie können." Wieder mitwirkender Teil dieser Gesellschaft werden, dass ist auch Dirk Zecher und Frank Soldan, beide Teilnehmer der ÖGB-Maßnahme im Caritasverband, ein Anliegen. Beide beklagen, das ÖGB-Maßnahmen nicht in der freien Wirtschaft sondern nur bei öffentlichen und caritativen Arbeitgebern möglich sind, das lasse häufig aus Kostengründen die Übernahmechancen sinken, zusätzlich zu den unkonkreten Zusagen, ob eine Übernahme möglich ist, sei das eine schlechte Perspektive wenn man nach der Maßnahme wieder in Hartz 4 rutsche. Auch sei die Flexibilität bei laufenden Maßnahmen häufig ein Hindernis für eine mögliche Übernahme, weil Maßnahmen erst zu Ende geführt werden müssten. Den sogenannten Passiv-Aktiv-Transfer, durch den Gelder, die bisher für Sozialleistungen ausgegeben wurden, in die Förderung von tariflich bezahlten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen einfließen, empfinden beide trotzdem als richtige Richtung zur Integration in Arbeit. "Statt Arbeitslosigkeit müssen wir Beschäftigung finanzieren", fordert auch Stockmann. "Die Gelder fließen so oder so, wir sollten sie sinnvoll und nachhaltig einsetzen."

Auch Sultan Faraj, 43 Jahre aus Syrien, sieht seine Probleme exemplarisch für viele Menschen, die geflüchtet sind. Getrennt von seiner Frau und seinen jüngeren Söhnen ist er aktuell mit der Betreuung seiner beiden älteren Söhne beschäftigt, obwohl er als anerkannter Elektroingenieur gerne direkt arbeiten würde. "Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Frau und allen Söhnen in Deutschland leben kann und das Warten und Leiden ein Ende findet. Ich bewerbe mich jetzt schon, aber momentan bin ich Mama und Papa zugleich. Wenn wir "komplett" wären, könnte ich mich wieder mit voller Kraft dem Beruf widmen und selbst für meine Familie sorgen."

Ähnlich sieht das auch Idris Goibov, 22 Jahre aus Tadschikistan: "Ich würde mir wünschen, dass jeder der sich gut integriert, die Sprache lernt, sein eigenes Geld verdient und sich nichts zu Schulden kommen lässt, in Deutschland leben darf." Der junge Mann, der in eineinhalb Jahren Deutsch gelernt hat, hat vor kurzem einen Ablehnungsbescheid erhalten und weiß trotz vorhandener Lehrstelle als KFZ-Mechaniker gerade nicht wie es weitergeht.

Interessante Fragestellungen, denen sich Prof. Patrick Sensburg, CDU, Dirk Wiese, SPD, Carlo Cronenberg, FDP, Werner Ruhnert, Die Linke, Annika Neumeister, Bündnis 90 Die Grünen, Martin Schaefer, AfD und Christa Hudyma, Freie Wähler im politischen Tischgespräch stellen müssen - "wir sind gespannt auf konkrete Lösungsvorschläge", freut sich Stockmann.

"Es geht uns darum, die Kandidaten mit den Menschen hinter den politischen Herausforderungen in Kontakt zu bringen, denn eine menschliche Politik kann man nicht ausschließlich auf Basis nüchterner Zahlen und Kennziffern gestalten", fordert Stockmann stellvertretend für alle Menschen die die Caritas begleitet. "Es gilt mit der nötigen Sensibilität hinzuschauen."

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20170830_Politische_Tischrunde_TRILUX_Akademie

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