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Stand: 19.09.2019

Pressemitteilung

Mit Mut fangen die schönsten Geschichten an

20190821_Sternenweg_InformationsabendFoto © Christoph Meinschäfer

Sie finden die zwei Zitate interessant? Dann lohnt es sich weiterzulesen, denn beide Zitate sind von ehrenamtlich Mitarbeitenden des ambulanten Hospizdienstes Sternenweg der Caritas. Sicher, den Dienst und seine Aufgaben kennen Sie aus den Lokalmedien. Die Begleitung lebensverkürzt erkrankter Menschen durch ehrenamtlich Mitarbeitende ist die Kernaufgabe des Dienstes. Einen unschätzbaren Wert, den diese Ehrenamtlichen für ihre begleiteten Menschen darstellen, doch sind diese beiden Zitate nicht von Ehrenamtlichen des Kinder- und Jugendbereiches oder des Erwachsenenbereiches.

"Immer häufiger werden wir als ambulanter Hospizdienst für erwachsene Menschen mit Handicap oder einem besonderen Assistenzbedarf als Begleitung auf dem letzten Lebensabschnitt angefragt", berichtet Anja Haasch als zuständige Koordinatorin vom Sternenweg und sieht Gemeinsamkeiten und Unterschiede der unterschiedlichen Menschen.

"Jede Begleitung ist so individuell, wie der Mensch, den wir begleiten, mit einer eigenen Geschichte, eigenen Bedürfnissen, einer eigenen Vorstellung von der Art und Weise der Begleitung und möglicherweise auch einem individuellen Handicap."

Um bei Ehrenamtlichen für die Begleitung von Menschen mit Handicap einerseits zu sensibilisieren und andererseits Berührungsängste zu nehmen, wurden innerhalb der Einrichtungen des Caritasverbandes und mit dem Haus Lebenshilfe in Arnsbergerste gemeinsame Schritte gemacht.

Bei einem Treffen im Caritas-Wohnhaus St. Christophorus konnten sich die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden des Sternenweges mit der Einrichtungsleiterin Frau Häger, darüber austauschen, was das Leben in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung ausmacht.

Die Entwicklung der Einrichtung, rechtliche Grundlagen, der Tagesablauf und Besonderheiten im Umgang bildeten dabei die Schwerpunkte, aber es gab auch viel Freiraum für offene Fragen.

"Wir freuen uns sehr, dass Praxistage für die Mitarbeitenden des Sternenweges angeboten werden, um ganz aktiv am Alltagsleben der Bewohner teilnehmen zu können und ein Gefühl für die besondere Atmosphäre, die in diesen Einrichtungen erlebbar wird, zu bekommen", begeistert sich Anja Haaschvom Sternenweg.

Wenn Sie Interesse haben, mehr über den Dienst zu erfahren oder sich vorstellen können, Menschen zu begleiten, lädt der Sternenweg herzlich zu einem Informationsabend am Donnerstag, den 12.09.2019, um 19 Uhr, im Sternenweg, Schulstraße 10, 59755 Arnsberg-Neheim, ein.Anmeldung und Infos über Ambulanter Hospizdienst Sternenweg, 02932-8055590 oder sternenweg@caritas-arnsberg.de

 

Einen ersten ganz persönlichen Einblick von zwei Ehrenamtlichen des Sternenwegs wollen wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten. Von beiden sind auch die Eingangszitate dieses Artikels.

Im Kinder-Hospizbereich ist der Kontakt mit Behinderten weit verbreitet, da die Behinderungen häufig von Geburt an bestehen. Ich finde es wichtig, auch im Erwachsenenbereich einen Fokus auf die Behindertenarbeit zu legen. Für diese Menschen ist ein gutes Miteinander sowie eine zugewandte Fürsorge das Allerwichtigste - nicht nur, wenn sie an einer lebensverkürzenden Erkrankung leiden.

Im Heimalltag fehlt dafür manchmal die Zeit - auch zum Bedauern des Heimpersonals. Ich habe einen geistig behinderten Mann begleitet, der Unterstützung bei seinen ambulanten Chemo-Terminen im Krankenhaus brauchte. Für mich waren diese Tage eine einzige Bereicherung. Menschen mit Down-Syndrom sind oft sehr offen und herzlich - das habe auch ich erfahren dürfen.

Der Umgang war erfrischend unkompliziert, vertrauensvoll und direkt. Das einzige Problem stellten gewisse Sprachdefizite dar, die unsere Kommunikation etwas erschwerten. In der Begleitung und in den Gesprächen ging es zunächst nicht ums Sterben, sondern um das Leben. Doch zusammen mit einigen Betreuern aus seiner Wohngruppe war ich auch bei seinem Sterbeprozess dabei.

Ich bin sicher, der Begleitete wusste, dass er nicht allein gelassen wurde. Er war bis zu seinem letzten Atemzug umgeben von Freunden und Vertrauten - und diese enge mitmenschliche Verbindung war ihm auch im Leben stets das Wichtigste. Die Begleitung eines Menschen mit Down-Syndrom unterschied sich in einigen Aspekten von der Begleitung Nicht-Behinderter. Doch im Grunde genommen ging es auch dieses Mal darum, einfach zu erspüren, was mein Gegenüber wollte und brauchte.

(Martina Schneider)

 

Was ist das Besondere an der Begleitung eines Menschen mit einer geistigen Behinderung? Worauf muss ich mich einlassen? Um mich dieser Herausforderung zu stellen, hatte ich ein langes Gespräch mit der Einrichtungsleiterin, Fr. Häger. Sie gab mir die Möglichkeit, in einer Wohngruppe zu hospitieren.

Ich war vom ersten Augenblick an überrascht von der freundlichen Atmosphäre die herrschte, fast familiär. Die Mitarbeiter/innen haben mich sehr offen und freundlich aufgenommen und mir wurde viel erzählt und erklärt. Aber es waren die Kontakte mit den Bewohnern, die mich sehr berührten. Jeder ist auf seine Art und Weise etwas Besonderes, sie verstellen sich nicht. Sie sind ehrlich und haben keine Scheu, jemanden zu berühren. Alle Bewohner wirken zufrieden.

Die Besuche bei Herrn S. sind auch für mich bereichernd. Ich habe das Gefühl, geerdet zu werden. Ich muss geduldig und einfühlsam sein, gut zuhören. Mittlerweile können wir uns gut unterhalten. Herr S. ist bettlägerig. Wir erzählen, lachen oder ich lese etwas vor, manchmal schauen wir fern oder sehen uns Fotos an.

Alles zum Thema Polizei und Augsburger Puppenkiste interessiert ihn. Als es ihm noch besser ging, hat er viel gebastelt, was angesichts seiner Spastik eine enorme Leistung ist. Es ist nie langweilig und wir freuen uns jedes Mal auf den nächsten Besuch.

(Raphaela Stöcker)

 

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