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Stand: 05.11.2015

Pressemitteilung

Perspektiven für die Pflege - Tarife für Pflegekräfte der Caritas gelten bundesweit

Dass die Bundesregierung in einer "Konzertierten Aktion Pflege" die dringend notwendigen Verbesserungen der Rahmenbedingungen in der Pflege auf den Weg bringen will, begrüßt der Vorstand des Caritasverbandes Arnsberg-Sundern ausdrücklich. "Die Möglichkeit, künftig die tatsächlich erforderliche Zahl an Pflegekräften einzustellen und deren Refinanzierung zu sichern, ist ein wichtiger Baustein, um die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen und die Situation der Pflegebedürftigen zu verbessern", sagen Christian Stockmann, Vorstandsvorsitzender, und Marek Konietzny, kaufmännischer Vorstand. Der Caritasverband Arnsberg-Sundern ist mit insgesamt mehr als 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Region Arnsberg und Sundern ein wichtiger Ansprechpartner vor Ort.

Aufmerksam beobachtet Stockmann dagegen die Überlegungen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zum angestrebten allgemeinverbindlichen Tarifvertrag in der Pflege. "Aber nicht, weil unser Caritasverband höhere Personalkosten befürchten müsste, ganz im Gegenteil: Wir haben die Sorge, dass das überdurchschnittliche Vergütungsniveau der Caritas und viele andere der bei uns selbstverständlichen Beschäftigungsbedingungen dadurch ggf. gefährdet werden". Da viele private Träger und Anbieter in der Pflege deutlich weniger als die Caritas zahlen würden, besteht die Gefahr, dass ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag deutlich unter Caritas-Niveau liegt und womöglich zur Norm für die Refinanzierung durch die Pflegekassen wird. "Die Caritas stünde damit zukünftig schlicht vor dem Problem, ihre Beschäftigten nicht mehr auf gewohnt hohem Niveau vergüten zu können", befürchtet auch Marek Konietzny.

Zum Vergleich: Eine examinierte Pflegekraft verdient bei der Caritas in der Regel je nach Dienstalter zwischen 16 und mehr als 20 Euro pro Stunde - also mehr als der Durchschnittsverdienst von 14,24 Euro in der Altenhilfe und 16,23 Euro in der Krankenhilfe, den die Hans-Böckler-Stiftung ermittelt hat. Daraus ergibt sich ein Monatslohn zwischen 2.700 bis 3.400 Euro, der damit bereits über dem vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aktuell geforderten Lohnniveau liegt (http://www.xing-news.com/reader/news/articles/1548316?cce=em5e0cbb4d.%3AomerH1YebIRI0nXeqB6dAJ&link_position=digest&newsletter_id=35474&toolbar=true&xng_share_origin=email). Auch Caritas-Präsident Peter Neher machte in einer Mitteilung deutlich, dass die in der Pflege beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Caritas schon heute auf dem Niveau entlohnt werden, das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert.

"Darüber hinaus werden unsere Pflegekräfte in der Altenpflege gleich vergütet wie in der Krankenpflege. Zudem erhalten die Caritas-Beschäftigten u.a. eine betriebliche Altersversorgung u.v.m.", betonen die beiden Vorstände. Das sei auch der speziellen Tariffindung innerhalb der Caritas als Teil der katholischen Kirche im Rahmen des sogenannten "Dritten Weges" zu verdanken. Für alle Mitarbeiter/innen gelten die Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR), die zwischen Dienstnehmern und Dienstgebern ausgehandelt werden und u.a. die Entlohnung regeln. Diese arbeitsrechtliche Sondersituation zum Vorteil der Beschäftigten müsse bei den Bemühungen um einen allgemeinverbindlichen Tarif berücksichtigt werden, fordert der Caritasverband.

"Sehr problematisch ist aktuell immer noch auch die Situation in der Altenpflegeausbildung in NRW", sagt Christian Stockmann. Während die von der Landesregierung kürzlich beschlossene Reform den Schulen für Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflege ermögliche, dass diese ihre Ausbildungskapazitäten erhöhen, stehen die Altenpflege-Seminare in NRW vor der absurden Situation, trotz großen Mangels an Pflegekräften womöglich schließen zu müssen. "Denn die Landesförderung deckt dort bei weitem nicht die Kosten", erklärt Stockmann. Pro Platz fördere das Land die Ausbildung derzeit mit 280 Euro pro Monat und Auszubildendem. Die realen Kosten liegen dagegen bei mindestens 490 Euro. "Das wird auf Dauer nicht funktionieren", sagt Stockmann. Die Altenpflegeschule des Caritasverbandes bildet seit 1990 Jahren gut-qualifizierte Fachkräfte für die Region aus und bereitet sich aktuell auch auf die Generalistische Pflegeausbildung ab 2020 vor. "Wie man seitens der Politik und aufgrund des Fachkräftemangels sehenden Auges die Ausbildungsstätten weiterhin nicht adäquat finanzieren kann, ist für uns völlig unverständlich.", so Stockmann.

Der Caritasverband Arnsberg-Sundern begrüßt jedoch ausdrücklich, dass die Situation in der Pflege aktuell auch in der Bundespolitik mittlerweile eine große Aufmerksamkeit bekommen hat. Jetzt geht es aber konkret darum, die richtigen Weichen zu stellen und die Pflegesituation entsprechend positiv und zukunftssicher zu unterstützen. Das Ziel des Ministers, die Tarifbindung in der Pflege zu erhöhen, sei daher zu begrüßen, weil viel zu viele Arbeitgeber in diesem Bereich ohne Tarifbindung aktiv sind.

"Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege leisten tagtäglich eine unverzichtbare und im Kontext des demografischen Wandels unserer Gesellschaft sehr wichtige Arbeit," betonen Stockmann und Konietzny vom Ortscaritasverband.

 

Hinweis: Laut der amtlichen Pflegestatistik vom Statistischen Bundesamt aus dem Jahr 2015 arbeiten 1.085.758 Personen in der ambulanten und stationären Pflege, davon 147.205 in katholischen Einrichtungen und Diensten. Dies entspricht einem Anteil von 13,6 Prozent.

 

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20180719_Perspektiven_Pflege

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