Georg Erdelyi (l.) mit Studierenden, Klemens Bleyer (4.v.r.) und Prof. Dr. Bernd-Friedrich Voigt (2.v.r.) von der Fachhochschule Südwestfalen
Arnsberg/Meschede. Studierende der Fachhochschule Südwestfalen im Fach Arbeits- und Ingenieurpsychologie aus Meschede haben jetzt die Caritas-Werkstätten in Arnsberg besucht. In der von Prof. Dr. Bernd-Friedrich Voigt und Klemens Bleyer organisierten zweistündigen Exkursion ging es um die besonderen Anforderungen der Arbeitsplatzgestaltung für Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen oder Beeinträchtigungen.
Im Pflichtmodul Arbeits- und Ingenieurpsychologie lernen Studierende der Wirtschaftspsychologie unter anderem, wie man Arbeitsplätze unter psychologischen Aspekten analysieren und menschengerecht gestalten kann. "In unseren Lehrveranstaltungen vermitteln wir den Studierenden ein arbeitspsychologisches Verständnis von sicheren, produktiven und nachhaltig gesunden Arbeitsbedingungen", erklärt Professor Voigt. "Wir problematisieren zum Beispiel zumutbare psychische und physische Belastungen ebenso wie die sozialen Rahmenbedingungen oder auch die Entwicklungsmöglichkeiten verschiedener Tätigkeiten und Berufsbilder. Wir diskutieren über die Gestaltung von guter Arbeit und beziehen uns dabei oft auf die berufsständischen Normen, die vorgeben, von welchen körperlichen, geistigen und sozialen Voraussetzungen wir bei Arbeitnehmenden standardmäßig auszugehen haben."
Doch was, wenn man es in der Praxis mit Arbeitnehmenden zu tun bekommt, bei denen diese Vorgaben nicht direkt greifen, die individueller betrachtet werden müssen? In der Führung durch die Caritas-Werkstätten konnten die Studierenden zum einen hochmoderne, industrialisierte Arbeitsplätze wie beispielsweise CNC-Bearbeitungszentren sehen, auf denen Aufträge für große Industrieunternehmen gefertigt werden. "Gleichzeitig haben sie erkannt, welche Herausforderungen dort Personaleinsatz und -planung, Ergonomie, teilautonomes Arbeiten oder Zeitwirtschaft bedeuten", meint Voigt.
Hierzu durften die Teilnehmenden den Beschäftigten bei der Arbeit vor Ort einen Blick über die Schulter werfen, einzelne Arbeitsplätze analysieren und mit ihren Erkenntnissen aus der Lehrveranstaltung abgleichen. Anders als in der Theorie ist die Arbeit in teilautonomen Gruppen, die ihre Arbeit und sich selbst organisieren, in den Caritas-Werkstätten kein Selbstverständnis, sondern eher ein pädagogisches Ziel. Besondere Bedeutung und Verantwortung kommt hier der Gruppenleitung zu. Dies sind meist Personen mit längerer eigener Erfahrung in Industriebetrieben, die mit ihrem Einsatz bei Betroffenen auf Selbstständigkeit und Arbeitsmarktfähigkeit zielen.
Ihre Beobachtungen und intuitive Lösungsansätze zur Verbesserung einzelner Arbeitsplatzsituationen konnten die Studierenden im Gespräch mit Produktionsleiter Georg Erdelyi und den Gruppenleitungen reflektieren. "Die individuellen Möglichkeiten, die die Beschäftigten bei uns haben, sind ein wichtiger Baustein für die Teilhabe am Arbeitsleben, dies kann durch einen Besuch vor Ort erlebbar gemacht werden. Über die gute Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Südwestfalen freuen wir uns sehr. Das Interesse der Studierenden und der Austausch miteinander verstärkt diese noch mehr", freut sich Georg Erdelyi, Leitung Produktions- und Auftragsmanagement.
Auf die erste Exkursion und das erste Kennenlernen soll nun eine Fortsetzung folgen. Geplant ist eine ausführlichere, eintägige Exkursion im nächsten Jahr sowie Praktika von Studierenden in den Caritas Werkstätten. "Während der Rückfahrt haben mir die Studierenden gesagt, wie beeindruckend und besonders sie diesen Besuch empfunden haben", so Voigt. "Insofern freuen wir uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit."