
"Kreativ? Bin ich ja eigentlich nicht so…", meint Anneliese, eine Bewohnerin des Wohnbereiches 3 als an einem Samstag morgen ein noch unbekanntes Gesicht im Aufenthaltsraum steht und erklärt man wolle heute gemeinsam mit Klopapierrollen ein Blumenbild malen.
Ja richtig, Klopapierrollen als Pinsel, nicht genug das mit einem Bastelangebot "gedroht" wird. Die skeptischen Gesichter der Runde warten zunächst ab, bis der Tisch mit den Materialien bestückt ist. Pappteller mit Acrylfarbkleksen werden verteilt und von den anwesenden Damen mit dem Pinsel zu einer neuen Farbe vermischt, dann werden die eigentlichen Pinsel vorbereitet und erklärt.
"Wir werden es mal probieren", sind sich alle schnell einig, die Klopapierrollen werden zu einem Drittel eingeschnitten und die entstandenen Fransen heruntergebogen, ein runder Pinsel entsteht. Noch in die Farbe tupfen, dann auf die Leinwand drücken: "Doch gar nicht so schwer mit der Kreativität", langsam lockert sich die Stimmung. Die Farbteller werden über den Tisch hin und hergereicht, es wird über vergangene Erlebnisse berichtet, Basteln, Malen und Handarbeiten in der eigenen Schulzeit oder Freizeit, mit den Kindern, als die klein waren und, und, und.
Ganz beiläufig werden bei dem angeregten Gespräch die Bilder fertig und alle sind baff, wie gut die doch geworden sind. Noch Namen und Datum drauf und dann sind die Kunstwerke bereit für die Ausstellung im Eingangsbereich des Hauses.
"In vier Wochen würde ich wiederkommen, wenn ich darf", fragt Miriam Konietzny, die das Angebot ins Leben gerufen hat. "Gerne!" ist sich die Runde der sechs Damen einig. Gesagt, getan, vier Wochen später steht Muttertag an, und da nicht alle der Damen am Muttertag Besuch von ihren Kindern oder Angehörigen bekommen können, wird man vorsichtshalber einfach selbst aktiv.
Auf kleinen Holzscheiben sind Nägel in Form eines Herzens angebracht, das wird jetzt der Webrahmen für ein kreatives Wandbild. Wolle in allen Farben ist vorhanden, naja fast. "Ich habe da auf dem Zimmer noch ein Knäuel Wolle das ist genau das rot, das zu der Couch meiner Tochter passt", erklärt Annette mit zwei n und zwei t, soviel Zeit muss sein. "Ich mache das dieses Mal andersherum, ich schenke ihr das Herz, das ich mache, zum Muttertag."
Alle sind wieder mit Begeisterung dabei, schnell wird klar, jedes Herz sieht ganz anders aus, Stärke und Farbe der jeweiligen Wolle sowie die individuelle Fadenführung durch den Webrahmen sorgen für eine tolle Vielfalt bei den Wandherzen. Noch schnell zusammen eine Kordel drehen, oben in die Holzscheibe einfädeln, Namen drauf und fertig.
Super, das hat wirklich Spaß gemacht, und nächstes Mal? Mal sehen, wird wie immer eine kreative Überraschung.